Ich Hannelore Margarethe wurde am 17. Juli 1939 als drittes Kind des Missionars Ernst Esslinger und Maria Elisabeth in Windhoek geboren. Wir wohnten in Okahandja, als Nachbarn von Dr. Vedder, mit dessen Familie wir sehr engen Kontakt und Freundschaft hatten. Ab 1951 war mein Vater Pastor in Omaruru. Ich ging in Omaruru zur Schule und nach meiner Konfirmation fing das Schülerleben in der höheren Schule in Swakopmund an. Nach dem Schulabschluss reisten wir nach Deutschland, wo meine Eltern auf Heimatreise waren. Mein Bruder Hans-Paul und ich reisten per Schiff aus dem sommerlichen Südwest in ein verschneites und eiskaltes Deutschland. In Deutschland besuchte ich von 1956 bis 1957 eine Heimvolkshochschule in Räbke, in der Nähe von Wolfsburg. Wieder zurück in Südafrika ging ich von 1958 bis 1959 an das Cape Technical College in Kapstadt, lernte dort Tippen, Stenographie und hatte 3 Sprachen zu bewältigen, auch Commerce und Finanzen. Meine erste Stelle bekam ich bei einer Agentur in Kapstadt, bezog mein erstes eigenes Flat und verdiente Geld, indem ich für Studenten (unter anderem auch Bruder Hans-Paul) Studienabschlussarbeiten tippte.

In 1961 holte Pastor Hoberg mich als Sekretärin in die St. Martini Gemeinde. Die Arbeit machte Spaß. Dazu kamen der Jugendkreis und die Gymnastik. Im Jugendkreis lernte ich einen jungen Mann mit Namen Ulrich Sachse kennen. Er war immer fröhlich, voller Humor und Musik. Im nächsten Jahr, 1962, brauchte Vater Esslinger mich in Wupperthal als Sekretärin und Helferin im Büro.
Am 31. Mai 1963 bei einem Volkstanztreffen in Bloemfontein bekam ich die Nachricht, dass mein Bruder Hans-Paul am 30 Mai 1963 heimgegangen war. Eine traurige Fahrt nach Kapstadt folgte.

Nach einer gemeinsamen Singwoche im Juli 1964 in Okahandja, folgte ein intensiver Briefwechsel und im Oktober 1964 kam Ulli dann nach Kapstadt – unsere Verlobung wurde in Wupperthal gefeiert.

Ein neues Leben fing am 9. Januar 1965 für mich an: die Hochzeit mit Ulli Sachse in St. Martini, Kapstadt. Nach der Feier machten wir noch eine kurze Pause in Wupperthal und dann begann die lange Reise nach Tsumeb in die neue Heimat mit neuen Aufgaben. Ich bekam eine Stelle als Buchhalterin und an der Kasse bei der Firma Hoffmann & Kie.

Am 1. November 1965 wurde unser Sohn Franck Michael in einer Blitzgeburt geboren. (Bis hierher hat Lore geschrieben).

Ulli wurde dann nach Swakopmund versetzt, wo Dagmar im Februar 1967 geboren wurde und nochmal nach Lüderitz, wo Beate im März 1968 geboren wurde. Ab 1970 wohnten sie in Karibib, wo Lore als Kindergärtnerin arbeitete. Christiane wurde im März 1973 in Usakos geboren und kurz danach machte sich die junge Familie nach Deutschland auf, wo Ulli für ein Jahr ein Kirchenmusikstudium in Esslingen absolvierte.
Nach der Rückkehr aus Deutschland 1974 siedelte die Familie sich in Kapstadt an. Lore arbeitete im Kindergarten in St Martini. Sobald die eigenen Kinder alle in der Schule waren, bekam sie eine Stelle als Buchhalterin bei der damaligen PFP (Progressive Federal Party) und arbeitete mit Personen so wie Tony Leon und Colin Eglin, die später die politische Richtung von Südafrika stark beeinflußt haben. Lore arbeitete fast 19 Jahre lang bei der Partei, die später die DP, und danach die DA wurde, und war eine gewissenhafte und geliebte Kollegin.

Die große Familienwohnung in Monte Vista war immer ein offenes Haus für viele, die dort ein Heim gefunden haben, Orgelbauer aus Deutschland, Studenten und Verwandte. Als die Kinder aus dem Haus waren, fing Lore an viel zu reisen.
Nach ihrer Pensionierung, ab 2000, arbeitete Lore erst als Buchhalterin, danach bei dem Empfang und dann als Sekretärin im St Johannisheim. Damit fing die enge Verbindung mit dem Heim an, die 19 Jahre lang dauerte. Es war eine schöne und gesegnete Arbeit und hat ihr viel Freude gemacht. In der Zeit arbeitete Ulli als Reiseleiter und war viel unterwegs.
Im Dezember 2008 zogen Lore und Ulli ins Johannesheim in ihre Wohnung in C8. Zu derselben Zeit bekam Lore die Diagnose von Brustkrebs, und sie hat die Behandlung tapfer und ohne viel Klagen durchgestanden und hat sich ganz erholt.

Lore hat in ihrem Leben sehr viel Trauer und Leid erleben müssen, aber sie hat alles mit Geduld getragen und hat sich sehr wenig anmerken lassen von dem Schmerz. Ihr tiefer Glaube hat sie durch diese Zeiten getragen. Im Januar 2005 war das Sterben von unserem Bruder Frank ein großer Schmerz. Fast 10 Jahre wohnte Lore mit Ulli in St. Johannis Gardens und hat dort bei Gottesdiensten und Andachten, Geburtstagsfeiern und anderen Veranstaltungen mitgewirkt.

Auch war sie bei dem Damenchor mit 8 Damen, die sich jede Woche trafen und öfter bei den Gottesdiensten mitwirkten. Die Zeit nach Ullis Tod im Mai 2018 war für Lore nicht leicht. Die Freunde in Gardens waren ihr eine gute Stütze, auch Geschwister, und ihre Kinder. Sie nutzte die letzten Jahre voll aus, mit vielen Reisen nach Frankreich, USA, Namibia, Pretoria und in den Krugerpark.

Lore hatte sehr große Freude an ihren 8 Enkelkindern und war besonders stolz auf ihren Urenkel. Wir werden uns an Lore erinnern wegen ihrer Freude am Leben, am Singen, ihrer Liebe zu Pflanzen und Blumen, ihrem Garten, ihrem guten Geschmack, ihren Kerzen. Sie hatte eine Sammlung von 23 Armbanduhren aus aller Welt, die sie passend zur Kleidung trug. Vor allem waren die Gemeinschaft mit Menschen und ihr Glaube ihr besonders wichtig. Wir trauern über ihren Verlust und feiern ihr volles, fröhliches und farbiges Leben.

(Ihe Töchter: Beate Hölscher, Dagmar Guillouet und Christiane Kidwell)