Ist Gott für mich,
EG 351, 13 Römer 8, 31 – 39
Mit welchem Jubel kann Paul Gerhardt sein Lied beenden. Wer so singen kann braucht einen Perspektivwechsel. Wir schauen dann nicht auf das Elend, das uns täglich begegnen kann, sondern wir schauen dann auf das, „was im Himmel ist.“
Ach, wie gerne singe ich diese Strophe!
Von dem Kirchenvater Augustin soll der Satz stammen: „Wer singt, betet doppelt“. Martin Luther hat viel vom Singen gehalten, weil damit gemeinsam etwas ausgedrückt werden kann, was oft die Sprache nicht mehr schafft. Darum ist das gemeinsame Singen im Gottesdienst in der lutherischen Tradition immer fest verankert gewesen. Schön, dass dies inzwischen auch in der katholischen Messe gelebt wird. „Mit Singen nämlich können wir Gottes Herz erweichen. Glauben ist „heart to heart“- Kommunikation, von Gottes Vaterherz zu des Menschen Herz und umgekehrt.“ So habe ich es in einer Predigt einmal gelesen.
Musik ist die Sprache der Affekte! Und diese Sprache ist so wichtig. Luther hat mutig formuliert, dass man mit dem Singen „den Teufel vertreiben könne“! Das kommt mir immer in den Sinn, wenn wir diese Liedstrophe singen.
Aber nicht mit einem Heile-Welt-Singen, wie „Heile heile Gänschen wird bald wieder gut“, sondern es ist ein Singen, das aus der Erfahrung der „tiefen Not“ geboren wird. Es ist ein Lied nach den Tränen oder vielleicht schon mit Tränen!“
Singend schon den „Himmel auf Erden“ erfahren und bekennen können ist ein großes Geschenk. Noch eine andere Formulierung von Luther fällt mir ein: „Nun freut euch, lieben Christen g’mein, und lasst uns fröhlich springen, dass wir getrost und all in ein mit Lust und Liebe singen, was Gott an uns gewendet hat und seine süße Wundertat; gar teu’r hat er’s erworben.“
Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ; das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.
Ps Reinhard Keding