Jesu letztes Wort am Kreuz: „Es ist vollbracht.“ (Joh. 19;30).

Er sagt es auch dir und mir! Wir sagen es schnell: alles, was hier geschah, ist für uns geschehen. Diese Worte anzunehmen und in konkretes Handeln umzusetzen bleibt die tägliche Herausforderung.

Wenn du Frieden suchst: hier ist er.
Wenn du Vergebung suchst: hier kannst du sie finden.
Wenn du dich versöhnen willst: komm unter das Kreuz und rufe deinen Feind unter das Kreuz. Hier findet Versöhnung statt.
Und wenn du Einheit der Kirche suchst, dann findest du sie unter dem Kreuz.
Wenn dich die Menschen verklagen und anklagen, so verteidige dich nicht mehr vor ihnen, sondern stelle dich unter das Kreuz und sage deinen Anklägern, dass du hier richtig bist, dass du hier hingehörst.
Wenn dich deine Sünde verklagen will, so gehe hin zum Kreuz und sage: Sünde, hier musst du weichen, hier darfst du mich nicht mehr anklagen.
Und wenn der Zweifel dich quält, dann zerre ihn unter das Kreuz und befiehl ihm: lass mich los.
Wenn dir der Tod begegnet, zerre ihn unter die Gegenwart des Gekreuzigten und du wirst auf Ostern warten.

Es ist vollbracht: du darfst nun alles, aber auch alles unter dem Kreuz ablegen. Er wird es auf sein Kreuz laden und du wirst verwandelt von dem Kreuz wieder weggehen. Das ist das Geheimnis seiner Erlösung! Versuche es nicht zu begreifen. Geh lieber mutig hin, beuge dich unter dem Kreuz. Und dann glaub ihm einfach, dass er hier alles vollbracht hat. Glaub es ihm aufs Wort; glaub ihm gegen alle Anfechtungen; glaub ihm gegen allen Anschein; glaub ihm!

In dem Lied von Alber Knapp: Eines wünsch ich mir vor allem anderen heißt es in einer Strophe „Immer soll er mir vor Augen stehen, wie geduldig er es trug, als man ihn, erbärmlich anzusehen, an das Holz des Kreuzes schlug. Sterbend hat er auch um mich gerungen, meine Schuld und meine Angst bezwungen und dann auch an mich gedacht, als er rief „Es ist vollbracht“. Wer sich unter dem Kreuz tief genug beugt, der darf hocherhobenen Hauptes durch die Welt gehen; er braucht sich nicht mehr zu rechtfertigen, sondern weiß, dass er nur unter dem Kreuz gerechtfertigt ist, um dem heiligen Gott zu begegnen.

Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst: Niemand ist da, der mir die Hände reicht. Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst: Niemand ist da, der mit mir Wege geht. Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst: Niemand ist da, der mich mit Kraft erfüllt. Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst: Niemand ist da, der mir die Hoffnung stärkt. Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst: Niemand ist da, der mich mit Geist beseelt. Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst: Niemand ist da, der mir das Leben schenkt.

 

Auszug aus Karfreitagspredigt – Ps R. Keding (03-04-2026).